Der Rotmilan im Kreis Coesfeld

Ein Projekt des NABU Kreis Coesfeld und des Naturschutzzentrums Kreis Coesfeld e.V.


Foto: Matthias Olthoff


Sein wissenschaftlicher Name lautet Milvus milvus, in englischer Sprache heißt er Red Kite oder wie die Franzosen königlich sagen Milan royal. Wir nennen diesen Vogel Rotmilan oder Gabelweihe. Er ist ein besonderer Vogel.

 

Deutschland beherbergt über die Hälfte der Weltpopulation. Somit haben wir eine besondere Verantwortung zum Schutz dieser gefährdeten Art. Der Bestand hat bundesweit seit den 1990er Jahren um etwa 20% abgenommen. Während die Mittelgebirge Nordrhein-Westfalens teilweise noch recht gut besiedelt sind, ist der Rotmilan in weiten Teilen des Westfälischen Flachlandes äußerst selten. Dies gilt auch für den Kreis Coesfeld, wo in den letzten zwei Jahrzehnten nur noch vereinzelte Bruten nachgewiesen werden konnten.

 

2018 begannen wir vom Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld und NABU Coesfeld den Brutbestand in der Südhälfte des Kreises Coesfeld genauer unter die Lupe zu nehmen. Mit überraschendem Ergebnis: Der Rotmilan scheint sich zurzeit im Kreis leicht auszubreiten. Weitere Reviere wurden aus dem Nordkreis gemeldet. Dieser leicht positive Bestandstrend bestätigt sich auch in den folgenden Jahren.

 

Im Rahmen unserer Rotmilanuntersuchungen melden wir alle Brutnachweise der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld. Dies ist wichtig, damit Rotmilane bei anstehenden Planungen, etwa von Windenergieanlagen, Berücksichtigung finden. Der Rotmilan ist eine durch Windkraftanlagen stark gefährdete Art. Zu Brutstandorten muss unbedingt ein ausreichender Abstand gehalten werden, damit der leicht positive Trend im Kreis nicht

wieder ins Gegenteil umschlägt. Die Art wird nämlich nicht selten durch die Rotoren von Windenergieanlagen tödlich verletzt, was leider auch im Kreis Coesfeld schon nachgewiesen wurde. Aktuelle Vergiftungsfälle aus dem Kreis Coesfeld zeigen aber auch, dass wir mit der Information über Rotmilan-Brutstandorte sehr vorsichtig umgehen müssen. So konnten allein im Jahr 2019 vier tote Rotmilane im Kreis Coesfeld in der Nähe ihrer Horste gefunden werden. Bei zwei der Tiere handelte es sich um Jungvögel, die kurz vor dem Verlassen des Horstes standen. Bei Ihnen wurden noch Reste eines Insektizids, dessen Verwendung in Deutschland verboten ist, nachgewiesen. Diese vorsätzliche Tötung ist eine Straftat und wird mit Geld- und Haftstrafen bis zu fünf Jahren geahndet. Aufgrund dessen wurde eine Strafanzeige gegen unbekannt bei der Kriminalpolizei aufgegeben. Schutzziele und Pflegemaßnahmen

  • Erhaltung und Entwicklung von Waldgebieten mit lichten Altholzbeständen sowie von offenen, strukturreichen Kulturlandschaften.
  • Vermeidung der Zerschneidung und Verinselung der besiedelten Lebensräume (z.B. Straßenbau, Windenergieanlagen).
  • Erhaltung und Entwicklung von geeigneten Nahrungsflächen (v.a. Grünland- und Ackerflächen, Säume, Belassen von Stoppelbrachen).
  • Erhaltung der Horstbäume mit einem störungsarmen Umfeld.
  • Vermeidung von Störungen an den Brutplätzen (April bis Juli).
  • Entschärfung bzw. Absicherung von gefährlichen Strommasten und Freileitungen.
  • Bekämpfung der illegalen Rotmilanverfolgung durch Strafanzeigen

    Dorothea Knepper-Wollny NABU Kreis Coesfeld

    Simon Lüling und Matthias Olthoff, Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e.V.